Arbeitsspeicher im Laptop defekt: erkennen, testen, beheben
Defekter Arbeitsspeicher ist tückisch. Er fällt selten komplett aus, sondern liefert hin und wieder falsche Daten. Das Ergebnis sind Abstürze ohne erkennbares Muster, beschädigte Dateien oder ein Laptop, der beim Start piept und schwarz bleibt. Viele Betroffene installieren Windows neu, ohne dass sich etwas ändert. Mit einem Speichertest lässt sich der Verdacht dagegen sauber bestätigen oder ausschließen.
Keine Zeit für Fehlersuche? Laptop einschicken und prüfen lassen
Redaktion: Stefan Fleckenstein, Vierstein · Fachlich geprüft vom Werkstattnetz · Vierstein UG (haftungsbeschränkt), Springe
Symptome, die auf den Arbeitsspeicher zeigen
- Bluescreens mit wechselnden Fehlermeldungen, etwa MEMORY_MANAGEMENT, PAGE_FAULT_IN_NONPAGED_AREA oder IRQL_NOT_LESS_OR_EQUAL.
- Programme stürzen ab, oft bei speicherintensiver Arbeit wie Videobearbeitung, vielen Browser-Tabs oder Spielen.
- Dateien sind nach dem Speichern beschädigt, Archive lassen sich nicht entpacken, Installationen brechen mit Prüfsummenfehler ab.
- Der Laptop startet nicht und gibt eine Tonfolge oder ein Blinkmuster aus. Bei Dell stehen zwei Töne für »kein Arbeitsspeicher erkannt« und vier Töne für einen Speicherfehler.
- Windows zeigt weniger Arbeitsspeicher an, als verbaut ist.
Keines dieser Symptome ist für sich ein Beweis. Abstürze haben auch andere Ursachen, etwa Überhitzung, eine fehlerhafte SSD oder Treiber. Gerade deshalb lohnt der Test, bevor Teile getauscht werden. Steht eher Hitze im Verdacht, hilft der Ratgeber Laptop überhitzt.
Test 1: Windows-Speicherdiagnose
Windows bringt ein eigenes Prüfprogramm mit. Es läuft außerhalb des laufenden Systems und testet den Speicher direkt nach einem Neustart.
- Speichern Sie offene Arbeiten und drücken Sie Windows-Taste und R.
- Geben Sie
mdsched.exeein und bestätigen Sie mit Enter. - Wählen Sie »Jetzt neu starten und nach Problemen suchen«.
- Der Test läuft nach dem Neustart automatisch. Mit F1 wählen Sie den erweiterten Testmodus, der gründlicher prüft und deutlich länger dauert.
- Nach Abschluss startet Windows neu. Das Ergebnis finden Sie in der Ereignisanzeige, wenn Sie dort nach dem Eintrag »MemoryDiagnostics-Results« suchen.
Meldet der Test Fehler, ist der Speicher mit hoher Wahrscheinlichkeit defekt. Meldet er keine, ist der Fall noch nicht erledigt, denn manche Fehler treten nur unter Wärme oder nach längerer Laufzeit auf.
Test 2: MemTest86 vom USB-Stick
Gründlicher prüft MemTest86. Das Programm startet von einem USB-Stick, ganz ohne Windows, und durchläuft mehrere Testmuster über den gesamten Speicher. Laden Sie die Free-Version von der Herstellerseite, schreiben Sie sie mit dem mitgelieferten Werkzeug auf einen Stick und starten Sie den Laptop davon. Lassen Sie mindestens einen vollständigen Durchlauf mit allen Tests laufen, bei Verdacht auf wärmeabhängige Fehler besser mehrere. Schon ein einziger Fehler gilt als Befund. Muss der Laptop dafür vom USB-Stick starten, erklärt der Ratgeber Betriebssystem neu installieren, wie Sie das Startmenü des BIOS aufrufen.
Gesteckt oder verlötet: das entscheidet über den Weg
Ob Sie defekten Speicher selbst tauschen können, hängt von der Bauweise ab. Ältere und viele größere Laptops nutzen steckbare SO-DIMM-Module unter einer Klappe oder der Bodenplatte. Viele dünne Geräte haben dagegen LPDDR-Speicher, der direkt neben dem Prozessor auf die Hauptplatine gelötet ist. Der Grund ist technisch: Kurze Leitungswege sparen Strom und Platz. Bei MacBooks mit Apple-Chip sitzt der Speicher sogar mit im Gehäuse des Prozessors und lässt sich nicht einzeln tauschen. Manche Modelle kombinieren beides, mit verlötetem Grundspeicher und einem freien Steckplatz. Neuere Geräte setzen teils auf LPCAMM2, ein steckbares Modul mit LPDDR-Chips.
Ob Ihr Gerät gesteckte Module hat, verraten das Datenblatt des Herstellers oder der Task-Manager: Unter Leistung, Arbeitsspeicher zeigt Windows die verwendeten Steckplätze und den Formfaktor an. Steht dort SODIMM, sind Module gesteckt. Fehlt die Angabe zu den Steckplätzen oder steht beim Formfaktor kein SODIMM, ist der Speicher meist verlötet.
Bei gesteckten Modulen: so grenzen Sie das defekte Modul ein
- Laptop ausschalten, Netzteil ziehen, bei entnehmbarem Akku auch den Akku entfernen.
- Entladen Sie sich an einem geerdeten Metallteil, bevor Sie die Module berühren.
- Klappe oder Bodenplatte öffnen, Halteklammern seitlich wegdrücken, Modul schräg herausziehen.
- Kontakte auf Verschmutzung prüfen und das Modul fest wieder einsetzen, bis die Klammern einrasten.
- Bei zwei Modulen jedes einzeln in jedem Steckplatz testen. So finden Sie heraus, ob ein Modul oder ein Steckplatz fehlerhaft ist.
Ein defektes Modul wird gegen eines mit gleicher Spezifikation getauscht. Welche Module passen und worauf Sie beim Kauf achten, erklärt der Ratgeber Laptop RAM aufrüsten. Ist ein Steckplatz selbst defekt, etwa durch eine gebrochene Lötstelle, ist das eine Reparatur auf der Hauptplatine.
Bei verlötetem Speicher: was dann möglich ist
Verlöteter Arbeitsspeicher lässt sich nicht einfach tauschen. Eine Werkstatt mit Rework-Station kann einzelne Speicherchips aus- und neu einlöten, wenn passende Chips beschaffbar sind und die Diagnose eindeutig einen Chip als Ursache zeigt. Ob das wirtschaftlich ist, hängt vom Alter und Wert des Geräts ab. Manchmal zeigt die Messung auch, dass nicht der Speicher selbst, sondern seine Spannungsversorgung auf der Platine fehlerhaft ist. Dann wird statt des Speicherchips ein Bauteil der Versorgung getauscht. Mehr dazu im Ratgeber Laptop Mainboard defekt.
Daten zuerst sichern
Defekter Speicher kann Daten beim Schreiben beschädigen. Solange der Laptop noch läuft, sichern Sie wichtige Dateien auf einen externen Datenträger und vermeiden große Kopier- oder Installationsvorgänge. Startet das Gerät nicht mehr, hilft der Ratgeber Laptop Datenrettung weiter.
So läuft die Reparatur per Einsendung
Tragen Sie im Formular ein, welche Symptome auftreten und welche Testergebnisse Sie haben. Danach erhalten Sie das Versandlabel per E-Mail und schicken den Laptop ein. Die Werkstatt prüft Speicher und Versorgung, Sie bekommen einen schriftlichen Kostenvoranschlag, und repariert wird erst nach Ihrer Freigabe.
Quellen
- Microsoft TechNet Magazine: Run Diagnostics to Check Your System for Memory Problems (Windows-Speicherdiagnose), learn.microsoft.com
- MemTest86, PassMark Software (Speichertest vom USB-Stick), memtest86.com
- Dell Support: Understanding Beep Codes on a Dell Laptop (2 Töne kein RAM, 4 Töne RAM-Fehler), dell.com
- PCWorld: Why don't more laptops have upgradable RAM? (verlöteter LPDDR-Speicher), pcworld.com
- iFixit News: LPCAMM2, steckbarer LPDDR-Speicher, ifixit.com
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, dass der Arbeitsspeicher im Laptop defekt ist?
Typisch sind Bluescreens mit wechselnden Fehlermeldungen, Abstürze bei speicherintensiver Arbeit, beschädigte Dateien und Pieptöne beim Start ohne Bild. Sicher wird der Befund erst durch einen Speichertest, etwa mit der Windows-Speicherdiagnose oder MemTest86.
Wie teste ich den Arbeitsspeicher unter Windows?
Drücken Sie Windows-Taste und R, geben Sie mdsched.exe ein und wählen Sie den Neustart mit Prüfung. Das Ergebnis steht danach in der Ereignisanzeige unter dem Eintrag MemoryDiagnostics-Results. Für eine gründlichere Prüfung eignet sich MemTest86 vom USB-Stick.
Kann ich defekten Arbeitsspeicher im Laptop selbst tauschen?
Nur wenn Ihr Gerät steckbare Module hat. Dann tauschen Sie das defekte Modul gegen eines mit gleicher Spezifikation. Bei verlötetem LPDDR-Speicher, wie in vielen dünnen Laptops, ist ein Tausch nur in einer Werkstatt mit Lötausrüstung möglich. Bei MacBooks mit Apple-Chip sitzt der Speicher im Prozessorgehäuse und lässt sich nicht einzeln tauschen.
Die Speicherdiagnose zeigt keine Fehler, trotzdem stürzt der Laptop ab. Was nun?
Die Windows-Diagnose findet nicht jeden Fehler. Lassen Sie MemTest86 über mehrere Durchläufe laufen. Bleibt auch das ohne Befund, kommen Überhitzung, die SSD oder Treiber in Frage. Dann lohnt eine Prüfung des ganzen Geräts.